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Klein Frankreich und die Gedeckten Brücken in Straßburg - Geschichte und Reiseführer

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Klein Frankreich, mittelalterliches Herz von Straßburg

Am westlichen Ende der Großen Insel Straßburgs gelegen, nimmt Klein Frankreich eine Halbinsel ein, die von den Armen der Ill gebildet wird. Dieses Viertel, das seinen merkwürdigen Namen einem Hospital verdankt, das im 16. Jahrhundert Soldaten aufnahm, die an Syphilis - damals "französische Krankheit" genannt - erkrankt waren, ist heute eine der meistfotografierten Sehenswürdigkeiten des Elsass.

Im Mittelalter war Klein Frankreich das Viertel der wassergebundenen Handwerksberufe: Gerber, Müller und Fischer übten hier ihre Tätigkeit aus. Die hohen Fachwerkhäuser mit ihren Gauben ermöglichten es, die Häute zwischen den Stockwerken an der frischen Luft zu trocknen. Diese charakteristische, perfekt erhaltene Architektur verleiht dem Viertel sein so einzigartiges Aussehen, das man auf allen Postkarten Straßburgs findet.

Die Gedeckten Brücken und ihre vier Türme

Die Gedeckten Brücken sind eines der bekanntesten Denkmäler Straßburgs. Dieses Ensemble aus drei Brücken, die die Arme der Ill überspannen, wird von vier mittelalterlichen quadratischen Türmen aus rosafarbenem Vogesensandstein aus dem 14. Jahrhundert flankiert. Trotz ihres Namens sind die Gedeckten Brücken seit dem 18. Jahrhundert nicht mehr gedeckt: Das hölzerne Schutzdach wurde aus Sicherheitsgründen entfernt.

Die Türme dienten früher als Gefängnis und waren ein wichtiger Bestandteil des Verteidigungssystems der Stadt. Heute beherbergt einer von ihnen einen Aussichtspunkt mit einem außergewöhnlichen Panoramablick auf Klein Frankreich, die Vauban-Schleusen und die Dächer Straßburgs. Der Eintritt ist frei und das Panorama absolut sehenswert.

Die Vauban-Schleusen: die unbekannte Panoramaterrasse

Unmittelbar oberhalb der Gedeckten Brücken befindet sich das Vauban-Wehr, ein hydraulisches Bauwerk, das Ende des 17. Jahrhunderts auf Befehl Ludwigs XIV. vom berühmten Militäringenieur Sébastien Le Prestre de Vauban errichtet wurde. Dieses Wehr ermöglichte es, im Belagerungsfall die umliegenden Ebenen zu überschwemmen, um die Stadt zu schützen.

Das Dach-Terrasse des Vauban-Wehrs ist heute für die Öffentlichkeit zugänglich und bietet einen der schönsten Aussichtspunkte Straßburgs auf Klein Frankreich und die Gedeckten Brücken. Dies ist der ideale Ort, um das Viertel in seiner ganzen Pracht zu fotografieren, besonders bei Sonnenaufgang oder am späten Nachmittag, wenn das Licht golden ist. Der Zugang ist frei und kostenlos.

Die Geschichte des Viertels: Gerber, Müller und Fischer

Das Leben in Klein Frankreich war im Mittelalter vom Rhythmus der Wasserarbeit geprägt. Die Gerber nutzten die Kanäle, um Tierhäute einzuweichen und zu spülen, bevor sie zwischen den Stockwerken ihrer Häuser zum Trocknen aufgehängt wurden. Die Müller betrieben die zahlreichen Mühlen, die an den Armen der Ill errichtet worden waren. Die Fischer ihrerseits bildeten eine mächtige Zunft, die die Fischerei auf dem gesamten Straßburger Rhein kontrollierte.

Diese drei Zünfte haben die Architektur des Viertels tiefgreifend geprägt. Die Gerberhäuser, erkennbar an ihren großen Kreuzsprossenfenstern und ihren über dem Wasser auskragenden Obergeschossen, sind die emblematischsten. Einige stammen aus dem 16. Jahrhundert und sind bemerkenswert gut erhalten, insbesondere in der Rue des Dentelles und der Rue du Bain-aux-Plantes.

Klein Frankreich als UNESCO-Weltkulturerbe

1988 wurde die Große Insel Straßburgs, zu der Klein Frankreich gehört, in die UNESCO-Welterbelist aufgenommen - ein erstes Mal für ein europäisches Stadtzentrum. Diese internationale Anerkennung unterstreicht den außergewöhnlichen universellen Wert eines mittelalterlichen Stadtensembles, das die Jahrhunderte praktisch unversehrt überstanden hat, trotz Kriegen und Souveränitätswechseln zwischen Frankreich und Deutschland.

Die UNESCO-Klassifizierung legt strenge Erhaltungsregeln fest: Jede Änderung an Fassaden, Materialien oder Gebäudehöhen muss architektonisch genehmigt werden. Diese Strenge ermöglicht es dem Viertel, seine Authentizität gegenüber dem touristischen und immobiliären Druck zu bewahren.

Klein Frankreich besuchen: praktische Tipps

Klein Frankreich ist zu Fuß vom Straßburger Stadtzentrum aus erreichbar, etwa 15 Gehminuten vom Münster entfernt. Das Viertel ist das ganze Jahr über zugänglich, aber die besten Zeiten sind der Frühling (April-Juni) für die blumengeschmückten Häuser und das sanfte Licht sowie der Dezember für die märchenhafte Atmosphäre der Weihnachtsmärkte.

Vermeiden Sie die touristischen Stoßzeiten (10-16 Uhr im Sommer) und bevorzugen Sie einen frühmorgendlichen oder spätnachmittäglichen Besuch, um das Viertel ohne Menschenmassen zu genießen und von einem schmeichelhafteren Licht für Fotos zu profitieren. Die malerischsten Gassen sind die Rue du Bain-aux-Plantes, die Rue des Moulins und der Quai de la Petite France.

Straßburg ist von Paris aus in 1h45 mit dem TGV, von Colmar in 25 Minuten und von Obernai in 30 Minuten erreichbar. Die Straßburger Straßenbahn, eine der modernsten Europas, verbindet das Stadtzentrum in wenigen Minuten mit dem Bahnhof.

Souvenirs aus Straßburg

Ein Besuch in Klein Frankreich weckt natürlich den Wunsch, ein authentisches Souvenir aus Straßburg und dem Elsass mitzunehmen. Die Geschäfte im Viertel bieten eine breite Palette regionaler Produkte an, aber Qualität und Authentizität variieren erheblich. Um sicher ein wirklich elsässisches Produkt zu wählen, bevorzugen Sie in der Region hergestellte Artikel: Soufflenheimer Töpferwaren, geblasene Gläser mit Rebsortenaufschrift, besticktes Tischwäsche, handwerklichen Lebkuchen und vakuumverpackte Lebensmittelspezialitäten.

 

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