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Sélestat - Hauptstadt des Humanismus und mittelalterliche Stadt im Elsass

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Sélestat, humanistische Stadt im Herzen des Elsass

Sélestat ist eine Stadt mit 20.000 Einwohnern im Herzen des Bas-Rhin, auf halbem Weg zwischen Straßburg und Colmar. In der Karolingerzeit gegründet, erlebte sie im 15. Jahrhundert ihre Blütezeit als eines der wichtigsten intellektuellen Zentren des rheinischen Europas. Hier verbrachte Beatus Rhenanus, Freund des Erasmus und großer Humanist der Renaissance, einen Großteil seines Lebens und vermachte der Stadt seine persönliche Bibliothek, die heute zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört.

Trotz dieser außergewöhnlichen Vergangenheit bleibt Sélestat eines der am wenigsten von ausländischen Touristen besuchten Ziele im Elsass. Diese Diskretion ist paradoxerweise einer ihrer größten Vorzüge: Man entdeckt hier eine authentische, lebendige Stadt, in der die Einwohner ihr Erbe zu bewahren wussten, ohne es in eine Kulisse für Besucher zu verwandeln.

Die Humanistenbibliothek, weltweiter Schatz von Sélestat

Die Humanistenbibliothek von Sélestat ist eine der bedeutendsten erhaltenen Bibliotheken der Renaissance weltweit. Sie beherbergt etwa 450 Manuskripte und 550 Inkunabeln (vor 1500 gedruckte Bücher), von denen einige von außergewöhnlicher Seltenheit und außergewöhnlichem Wert sind. Zu ihren wertvollsten Schätzen gehört die Cosmographiae Introductio von Martin Waldseemüller, 1507 in Saint-Dié-des-Vosges gedruckt: In diesem Werk erscheint zum ersten Mal der Name "America" zur Bezeichnung der Neuen Welt.

Seit 2011 im UNESCO-Register "Memory of the World" eingetragen, bildet die persönliche Bibliothek des Beatus Rhenanus das Herzstück der Sammlung. Dieser außergewöhnliche Bestand, den der Humanist bei seinem Tod 1547 hinterließ, ist seitdem unverändert geblieben - eine für eine Sammlung dieses Alters äußerst seltene Kontinuität. Die Bibliothek ist seit 2021 in einem bemerkenswerten zeitgenössischen Gebäude des weltberühmten japanischen Architekten Kengo Kuma untergebracht.

Die beiden mittelalterlichen Kirchen: Sainte-Foy und Saint-Georges

Sélestat besitzt zwei bemerkenswerte mittelalterliche Kirchen, die vom Reichtum seiner Vergangenheit zeugen. Die Kirche Sainte-Foy, im 12. Jahrhundert im rheinischen Romanik-Stil erbaut, ist eine der schönsten romanischen Kirchen des Elsass. Ihr schlichtes und kraftvolles Schiff, die massiven Säulen und die halbrunde Apsis zeugen von der architektonischen Meisterschaft der damaligen Zeit. Die Kirche steht heute unter Denkmalschutz.

Die Kirche Saint-Georges, zwischen dem 13. und 15. Jahrhundert im gotischen Stil erbaut, ist die Hauptpfarrkirche von Sélestat. Sie beherbergt bemerkenswerte Buntglasfenster, von denen einige aus dem 14. Jahrhundert stammen, sowie eine sehr feine Madonna mit Kind aus rosafarbenem Sandstein aus dem 15. Jahrhundert. Der gotische Glockenturm, 60 Meter hoch, überragt die Dächer der Stadt und ist ein weithin sichtbares Wahrzeichen in der elsässischen Ebene.

Das historische Zentrum und die Stadtmauern

Das historische Zentrum von Sélestat hat einen Großteil seiner mittelalterlichen Stadtmauern erhalten, darunter den Uhrturm und das Straßburger Tor. Diese gut inszenierten Überreste der Stadtmauer aus dem 14. Jahrhundert ermöglichen es, sich die strategische Bedeutung der Stadt im Mittelalter vorzustellen. Sélestat war damals eine der zehn freien Reichsstädte des Elsass, der Décapole, einem 1354 gegründeten Bund zum Widerstand gegen die Ambitionen der lokalen Fürsten.

Das lebhafte und geschäftige Stadtzentrum hat seinen elsässischen Charakter bewahrt, ohne in touristische Übertreibung zu verfallen. Fachwerkhäuser stehen neben Renaissancefassaden und Gebäuden aus dem 19. Jahrhundert in angenehmer städtischer Harmonie. Der Place du Marché Vert und der Place de la République bilden die beiden Pole des lokalen Lebens.

Sélestat und die Tradition des Weihnachtsbaums

Nur wenige wissen es, aber Sélestat beansprucht die erste bekannte schriftliche Erwähnung eines geschmückten Weihnachtsbaums. In den Stadtarchiven, die in der Humanistenbibliothek aufbewahrt werden, findet sich ein Register von 1521, das den Kauf von Tannenbäumen für die Weihnachtsfeiern erwähnt. Diese historische Spur macht Sélestat zu einer der symbolischen Wiegen der Weihnachtsbaum-Tradition, die heute weltweit gefeiert wird.

Die Stadt feiert diese Tradition jedes Jahr mit dem Weihnachtsmarkt, der im Dezember im historischen Zentrum stattfindet. Weniger frequentiert als jene von Straßburg oder Colmar, bietet er eine intimere und authentischere Atmosphäre mit zahlreichen lokalen Handwerkern und regionalen Produzenten.

Sélestat besuchen: praktische Tipps

Sélestat lässt sich leicht zu Fuß erkunden. Das kompakte und gut ausgeschilderte historische Zentrum kann in zwei bis drei Stunden für einen vollständigen Besuch einschließlich der Humanistenbibliothek und der beiden Kirchen durchquert werden. Planen Sie einen halben zusätzlichen Tag ein, wenn Sie die Stadtmauern und Museen erkunden möchten.

Die Stadt liegt ideal für Ausflüge in die schönsten elsässischen Dörfer: Ribeauvillé und Riquewihr sind 15 Autominuten entfernt, Haut-Koenigsbourg 20 Minuten. Sélestat ist damit eine ausgezeichnete Basis für die Erkundung des mittleren Elsass.

Mit dem Zug ist Sélestat von Straßburg in 25 Minuten und von Colmar in 15 Minuten erreichbar. Der Bahnhof ist 10 Gehminuten vom historischen Zentrum entfernt. In der Stadtperipherie stehen kostenlose Parkplätze zur Verfügung.

Die Umgebung von Sélestat: zwischen Weinbergen und Wald

Sélestat ist von einer außergewöhnlichen natürlichen und kulturellen Umgebung umgeben. Im Westen bieten der Wald von Sélestat und die ersten Vogesenhänge schöne

 

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