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Die traditionellen elsässischen Trachten sind nicht auf einen Schlag entstanden. Sie sind das Ergebnis einer langsamen Entwicklung über mehrere Jahrhunderte, beeinflusst von deutschen und französischen Moden, rheinischen Handelsaustauschen und den kulturellen Besonderheiten jeder elsässischen Teilregion. Man unterscheidet traditionell mehrere große Kleidungszonen im Elsass, jede mit eigenen Farben, eigenen Hauben und eigenen Stickereien: der Unterrhein mit der emblematischen roten Schleife Straßburgs, der Oberrhein mit dunkleren Hauben, der Sundgau mit seiner so markanten schwarzen Haube und der Kochersberg mit besonders reichen Blumenstickereien.
Diese Kostüme wurden bis Anfang des 20. Jahrhunderts täglich von elsässischen Bauern, Handwerkern und Bürgern getragen. Sie unterschieden Katholiken von Protestanten, Ledige von Verheirateten, Trauernde von Feiernden. Jedes Element hatte eine genaue soziale und religiöse Bedeutung.
Unter allen Elementen der elsässischen Tracht ist die große rote Schleife - oder Schlupfkàpp - zweifellos die bekannteste und meistfotografierte. Diese spektakuläre Kopfbedeckung, von protestantischen Frauen des Unterrheins und insbesondere Straßburgs getragen, besteht aus einer großen schwarzen Bandschleife, die von einer riesigen leuchtend roten Bandrosette gekrönt wird, die bis zu 30 Zentimeter breit sein kann.
Der Ursprung dieser Schleife soll auf das 17. Jahrhundert zurückgehen, als elsässische Protestantinnen diese markante Kopfbedeckung annahmen um sich von Katholikinnen zu unterscheiden. Die Farbe Rot, Symbol für Wohlstand und Vitalität in der germanischen Tradition, setzte sich schrittweise als emblematische Farbe dieser Straßburger Haube durch. Die aufwendigsten Schleifen, aus Seide oder Samt gefertigt, waren kostbare Gegenstände, die von Mutter zu Tochter weitergegeben und bei besonderen Anlässen stolz getragen wurden.
Im Gegensatz zur Üppigkeit der Straßburger roten Schleife verkörpert die schwarze Haube des Sundgaus - Region im Süden des Oberrheins, an der Grenze zur Schweiz und Deutschland - eine schlichte und majestätische Ästhetik. Diese schwarze Samthäube, mit Gold- oder Silberstickereien verziert, wird mit einem Kostüm in dunklen Farben getragen - Schwarz, Bordeaux, Marineblau - das stark mit den bunteren Trachten des nördlichen Elsass kontrastiert.
Die schwarze Haube des Sundgaus ist mit den Katholikinnen dieser Grenzregion verbunden, stark beeinflusst von den Traditionen der benachbarten Schweiz und des deutschen Badens. Ihre Herstellung ist eine eigenständige Kunstform, die viele Arbeitsstunden für die Stickereien und die Formgebung der Haube erfordert.
Die Stickereien sind das universellste Element der elsässischen Tracht und in allen Teilregionen mit Motivvariationen vertreten. Die charakteristischsten Motive sind:
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Im Elsass war die Religion stets ein bestimmender Faktor in der Entwicklung der Volkstrachten. Die Unterschiede zwischen katholischen und protestantischen Trachten sind zahlreich und bedeutsam:
Das tägliche Tragen der elsässischen Tracht verschwand praktisch nach dem Ersten Weltkrieg und hörte nach dem Zweiten fast vollständig auf. Heute werden Volkstrachten bei besonderen Anlässen getragen:
Das Bild der elsässischen Tracht bleibt in der regionalen Ikonografie äußerst präsent - Plakate, Verpackungen, Souvenirs, Illustrationen - und hält diese Kleidungstradition lebendig, die so viel über die tiefe Identität des Elsass sagt.
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