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Der Lebkuchen aus Gertwiller - Welthauptstadt des Lebkuchens

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Gertwiller - ein Dorf, eine weltweite Berufung

Es gibt Dörfer, die ihren Ruhm einer Burg, einer Abtei oder einem Weinberg verdanken. Gertwiller verdankt seinen dem Lebkuchen. Dieses Dorf mit einigen hundert Einwohnern, eingebettet zwischen den Reben und Obstgärten des Vogesenpiedmonts, beherbergt seit dem 18. Jahrhundert eine Tradition handwerklicher Lebkuchenherstellung, die ihm weltweite Anerkennung eingebracht hat. Zwei Familienbetriebe - Lips und Fortwenger - pflegen darin ein von Generation zu Generation weitergegebenes Handwerk und machen Gertwiller zu einem unverzichtbaren Ziel für alle Liebhaber elsässischer Gastronomie und handwerklichen Erbes.

Geschichte des elsässischen Lebkuchens - mittelalterliche Ursprünge

Die Geschichte des Lebkuchens im Elsass geht bis ins Mittelalter zurück. Die ersten dokumentierten Rezepte erscheinen bereits im 14. Jahrhundert in den Archiven elsässischer Klöster, wo Mönche einen Lebkuchen - wörtlich "Lebensbrot" - aus Honig, Roggenmehl und Gewürzen aus dem Orient über die rheinischen Handelswege zubereiteten. Zimt, Anis, Ingwer, Kardamom, Nelken, Pfeffer - diese kostbaren und teuren Gewürze machten den Lebkuchen zu einem Luxusgericht für besondere Anlässe. Gertwiller spezialisiert sich ab dem 18. Jahrhundert schrittweise auf diese Produktion, als sich mehrere Handwerkerfamilien dort niederlassen und ihre eigenen Geheimrezepte entwickeln.

Das Haus Lips - 200 Jahre Handwerkskunst

Das Haus Lips ist eine der zwei großen Lebkuchendynastien von Gertwiller. Anfang des 19. Jahrhunderts gegründet, repräsentiert es heute die sechste Generation von Herstellern. Seine eifersüchtig gehüteten Rezepte verwenden eine einzigartige Gewürzmischung, deren genaue Zusammensetzung ein Familiengeheimnis bleibt. Das Haus ist bekannt für seine weichen und zarten Lebkuchen, seine dekorativen Figuren und seine illustrierten Dosen, die seit Jahrzehnten zur visuellen Landschaft des Elsass gehören.

Das Haus Fortwenger - der andere Pfeiler der Tradition

Wenige Schritte vom Haus Lips entfernt, repräsentiert das Haus Fortwenger die andere große Tradition von Gertwiller. Ebenfalls im 19. Jahrhundert gegründet, hat es im Laufe der Generationen eine eigenständige Produktpalette mit eigenen Rezepten und eigenen emblematischen Formen entwickelt. Die beiden Häuser koexistieren seit zwei Jahrhunderten in gesundem Wettbewerb, jedes seine eigene Vorstellung vom perfekten Lebkuchen verteidigend. Fortwenger ist besonders für seine handbemalten Lebkuchen, seine saisonalen Sonderedtionen und seine originellen Kreationen bekannt.

Das Lebkuchenmuseum - Geschichte in Bildern und Düften

Gertwiller beherbergt das einzige Museum für Lebkuchen und Elsässische Volkskunst, das in den historischen Gebäuden des Hauses Lips untergebracht ist. Dieses außergewöhnliche Museum zeichnet die Geschichte des Lebkuchens vom Mittelalter bis heute nach, durch eine einzigartige Sammlung alter Formen, Vintage-Verpackungen, Archivdokumente und Herstellungsutensilien.

Die Sammlung von Lebkuchenformen ist besonders bemerkenswert. Diese in Holz geschnitzten Formen - oft wahre Volkskunstwerke - stellen Figuren, Tiere, biblische Szenen und Dekorationsmotive dar, die den ikonografischen Reichtum der Tradition bezeugen. Einige Formen datieren aus dem 17. Jahrhundert und sind einzigartige Stücke des elsässischen Erbes.

Die handwerkliche Herstellung - die Geheimnisse des guten Lebkuchens

Die Herstellung eines echten handwerklichen Lebkuchens ist ein langer und präziser Prozess, der keine Abkürzungen duldet:

  • Der Honig: unverzichtbare Basis, er muss von guter Qualität sein, vorzugsweise ein elsässischer Blütenhonig oder Berghonig. Er verleiht dem Lebkuchen seine charakteristische Weichheit und lange Haltbarkeit
  • Das Mehl: traditionell Roggenmehl, kann je nach Rezept mit Weizenmehl gemischt werden. Roggenmehl bringt einen leicht säuerlichen Geschmack und eine dichte, weiche Textur
  • Die Gewürze: die Mischung ist das Herzstück des Geheimnisses. Zimt, Anis, Ingwer, Muskatnuss, Kardamom, Nelken - jedes Haus hat seine geheime Dosierung, mündlich von Generation zu Generation weitergegeben
  • Die Ruhezeit: der Teig muss unbedingt mehrere Stunden, manchmal mehrere Tage, vor dem Backen ruhen. Diese Reifezeit ermöglicht es den Gewürzaromen sich voll zu entfalten
  • Das Backen: bei niedriger Temperatur, lang und sanft, um die Weichheit und die Aromen zu bewahren

Lebkuchen in der elsässischen Küche

Über den direkten Verzehr hinaus nimmt der Lebkuchen einen besonderen Platz in der elsässischen Küche ein. Man verwendet ihn als Begleitung zu Foie Gras - die klassische Kombination par excellence. Man macht daraus Croutons für die elsässische Biersuppe und integriert ihn in Farschierungen für Geflügel oder in Dessert-Crumbles. Zeitgenössische elsässische Köche haben diese traditionellen Verwendungen wiederentdeckt und neu erfunden, und machen den Lebkuchen zu einem vollwertigen Haute-Cuisine-Zutat.

Gertwiller besuchen - praktische Infos

Gertwiller lässt sich leicht von Obernai (5 km) oder Barr (3 km) aus besuchen, an der elsässischen Weinstraße. Die beiden Handwerkshäuser - Lips und Fortwenger - sind das ganze Jahr über geöffnet, mit erweiterten Öffnungszeiten in der Weihnachtszeit. Das Lebkuchenmuseum ist von April bis Dezember geöffnet. Der Besuch des Dorfes lässt sich ideal mit einer Erkundung des umliegenden Weingebiets und einer Degustation der lokalen Grands Crus verbinden.

 

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