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Im Elsass ist der Nikolaustag weit mehr als ein einfaches Kalenderdatum. Es ist ein Volksfest, das tief in der regionalen Kultur verwurzelt ist und von Kindern wie Erwachsenen begeistert gefeiert wird. Der heilige Nikolaus von Myra, ein Bischof des 4. Jahrhunderts, der für seine Grosszügigkeit gegenüber Kindern bekannt war, ist Schutzpatron des benachbarten Lothringens und eine Schlüsselfigur der gesamten Rheinregion. Im Elsass markiert sein Besuch am 6. Dezember den wahren Beginn der Festzeit.
Die Nikolaustradition wurzelt in einer mittelalterlichen Legende, die im Elsass sehr bekannt ist. Drei Kinder, die sich im Wald verirrt hatten, wurden von einem bösen Metzger getötet und eingesalzen. Nikolaus, der sieben Jahre später vorbeikam, soll sie durch ein Wunder auferweckt haben. Diese Legende, in unzähligen elsässischen Darstellungen verewigt, erklärt, warum Nikolaus zum Beschützer der Kinder wurde und warum sein Fest von elsässischen Familien so sehnlichst erwartet wird.
In vielen elsässischen Städten und Dörfern werden am Abend des 5. oder 6. Dezember Fackelzüge veranstaltet. Kinder ziehen mit bunten Laternen durch die Strassen, die oft in den Wochen zuvor in der Schule gebastelt wurden. Sankt Nikolaus, in seinem roten Umhang und mit seiner Bischofsmütze, begleitet vom Knecht Ruprecht (im Elsässischen Hans Trapp genannt), zieht durch die Strassen, verteilt Süssigkeiten an die Braven und ermahnt die weniger Gehorsamen. Diese lebhaften und farbenfrohen Umzüge gehören zu den magischsten Momenten des elsässischen Advents.
Die typische Leckerei des elsässischen Nikolaustags ist ohne Zweifel das Mannele - auf Elsässisch schlicht "kleines Männchen". Dieses Brioche in Menschenform, manchmal mit Rosinen als Augen und Knöpfen, wird am 6. Dezember in allen elsässischen Bäckereien an Kinder verteilt. Weich, goldbraun und leicht gesüsst, wird es zum Frühstück oder zur Jause gegessen, oft mit heisser Schokolade. Manche Familien backen es traditionell selbst, in speziellen Formen, die von Generation zu Generation weitergegeben werden.
Neben dem Mannele hat der Lebkuchen einen festen Platz in den elsässischen Nikolaustraditionen. In Form von Nikoläusen, Sternen oder Herzen wird er Kindern als symbolisches Geschenk überreicht. Elsässische Konditoren und Bäcker wetteifern mit Kreativität und bieten Lebkuchen mit bunten Glasuren und traditionellen Motiven an. Es ist auch eine Gelegenheit, den echten elsässischen Lebkuchen zu entdecken, der aus Honig, Roggenmehl und einer geheimen Gewürzmischung besteht, die je nach Handwerker variiert.
Altmodischer Lebkuchen mit Honig und Perlzucker
Lebkuchen mit Äpfeln und Zimt
Wenn die elsässischen Weihnachtsmärkte weltbekannt sind, verdienen auch die vorausgehenden Nikolausmärkte einen Besuch. Sie werden in vielen Gemeinden bereits am ersten Dezemberwochenende organisiert und bieten lokales Kunsthandwerk, regionale Produkte, Glühwein und frisch gebackene Mannele. Die Atmosphäre ist oft intimer und familiärer als auf den grossen Märkten in Strassburg oder Colmar - eine schöne Möglichkeit, die Tradition in überschaubarem Rahmen zu erleben.
Zu den bekanntesten zählen die Nikolausmärkte in Obernai, Saverne und Molsheim, die jedes Jahr Tausende von Besuchern in herzlicher und authentischer Atmosphäre anziehen.
Im Elsass kommt Nikolaus nie allein. Er wird von Hans Trapp begleitet, seinem dunklen Gegenstück, dem elsässischen Pendant zum Knecht Ruprecht. Diese unheimliche Gestalt, in Schwarz gekleidet und mit Ruten bewaffnet, soll ungezogene Kinder bestrafen. Tradition ist es, dass Nikolaus die Kinder nach ihrem Verhalten im vergangenen Jahr befragt, bevor er seine Geschenke verteilt. Diese erzieherische und leicht angsteinflössende Dimension ist fester Bestandteil des Festes - und trägt zu seinem besonderen Charme bei, zwischen Wärme und Schauer.
Die Nikolausfeier im Elsass ist seit dem Mittelalter belegt. Trotz der Wechselfälle der Geschichte - Reformation, Kriege, Grenzverschiebungen - hat die Tradition überlebt und sich im Laufe der Jahrhunderte sogar gefestigt. Heute, wo die Globalisierung dazu neigt, die Jahresendfeste zu vereinheitlichen, bleibt der elsässische Nikolaustag ein starkes Identitätsmerkmal, ein Moment des regionalen Stolzes und der kulturellen Weitergabe, den elsässische Familien unbedingt bewahren wollen.
Rezeptbuch Bredele und kleine Kuchen aus dem Elsass
Rezeptbuch der Weihnachtsbredeles aus dem Elsass
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