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Die Traditionen des Elsässischen Advents - Kranz, Christkindel und Vier Sonntage

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Der elsässische Advent - eine besondere Zeitlichkeit

In der elsässischen Kultur, die tief von der doppelten katholischen und protestantischen Tradition geprägt ist, nimmt der Advent - vom lateinischen adventus, "Ankunft" - einen besonders wichtigen Platz ein. Diese liturgische Zeit vor Weihnachten wird nicht als bloße kommerzielle Periode oder konsumistischer Countdown erlebt, sondern als Zeit innerer Vorbereitung, von Familienritualen und von Generation zu Generation weitergegebenen Traditionen. Jeder Adventssonntag hat seine eigenen Bräuche, Farben und Bedeutungen.

Das Elsass hat einen besonderen Platz in der Geschichte des abendländischen Advents. Die Rheinregion ist eine der Zonen, in der sich die Adventstraditionen am frühesten entwickelt und kodifiziert haben - für einige Praktiken bereits im Mittelalter - bevor sie sich schrittweise in ganz Christeuropa verbreiteten.

Der Adventskranz - vier Kerzen, vier Wochen

Der Adventskranz ist zweifellos das universellste und bekannteste Symbol dieser Zeit. In elsässischen Familien thront er ab dem ersten Adventssonntag auf dem Wohn- oder Esszimmertisch. Traditionell aus verflochtenen Tannen- oder Fichtenzweigen gefertigt und mit Bändern, Tannenzapfen und verschiedenen Dekorationen verziert, trägt er vier Kerzen - eine pro Adventssonntag.

Jeden Sonntag wird bei einem feierlichen Familienmoment, oft begleitet von einem Lied oder einem Gebet, eine weitere Kerze entzündet:

  • Erste Kerze: die Kerze der Hoffnung - sie symbolisiert das Warten und die Hoffnung auf das Kommen des Lichts
  • Zweite Kerze: die Kerze des Friedens - sie erinnert an die Friedensbotschaft von Weihnachten
  • Dritte Kerze: die Kerze der Freude - oft rosa oder rosé, markiert sie die Mitte des Advents
  • Vierte Kerze: die Kerze der Liebe - am letzten Sonntag vor Weihnachten entzündet, vervollständigt sie den Lichtkreis

Der Adventskranz wie wir ihn heute kennen wurde 1839 vom lutherischen Pastor Johann Hinrich Wichern erfunden, der einen Holzkranz mit 24 Kerzen verwendete. Die Tradition verbreitete sich schnell in der gesamten Rheinregion einschließlich des Elsass.

Der Adventskalender - eine deutschelsässische Erfindung

Der Adventskalender - diese Schachtel oder dieses Bild mit 24 täglich zu öffnenden Feldern vom 1. bis 24. Dezember - ist heute ein universelles Objekt. Seine Ursprünge sind jedoch tief deutschelsässisch. Die ersten dokumentierten Formen des Adventskalenders gehen auf die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts in protestantischen Familien Bayerns und Baden-Württembergs zurück, den Elsass-Nachbarn. Der erste gedruckte kommerzielle Adventskalender wurde 1908 in München von Gerhard Lang produziert.

Im Elsass hat der Adventskalender immer eine sehr starke handwerkliche und personalisierte Dimension gehabt. Viele Familien stellen noch heute ihre eigenen hausgemachten Kalender her - nummerierte Täschchen mit kleinen Geschenken, dekorierte Schachteln, Stoffbeutel - und pflegen den ursprünglichen Geist dieser Tradition bevor sie zum standardisierten Handelsprodukt wurde.

Das Christkindel - das geschenkbringende Jesuskind

Das Christkindel - wörtlich "Christkind" im Elsässischen und Deutschen - ist die traditionelle Figur, die Kindern zu Weihnachten Geschenke bringt. Im Gegensatz zum angloamerikanischen Weihnachtsmann ist das Christkindel eine leuchtende und engelsgleiche Figur, oft als geflügeltes junges Mädchen in Weiß und Gold dargestellt, mit Krone und Geschenken.

Die Figur des Christkindels ist eine Schöpfung der protestantischen Reformation. Martin Luther wollte Kinder vom Nikolauskult ablenken und förderte die Ersetzung des Heiligen Nikolaus durch das Jesuskind als Geschenkbringer. Diese Substitution setzte sich schrittweise in den protestantischen Rheinregionen durch. In Straßburg trägt der Weihnachtsmarkt noch immer seinen ursprünglichen Namen Christkindelsmärik seit seiner Gründung 1570.

Die Düfte des Advents - Zimt, Anis und Glühwein

Der elsässische Advent ist vor allem ein Sinneserlebnis. Die Düfte, die die Häuser und Straßen ab dem ersten Adventssonntag erfüllen, sind ebenso evokativ wie Bilder und Klänge: Zimt, Anis, Nelken, Vanille der ersten Bredele-Chargen; warmer Lebkuchen aus den Bäckereien; würziger Glühwein von den Weihnachtsmärkten; frisch geschnittene Tanne in den Wohnzimmern.

Der elsässische Glühwein ist eines der emblematischsten Getränke des Advents in der Region. Aus rotem oder weißem Elsässer Wein zubereitet, erhitzt mit Zimt, Nelken, Sternanis, Orangen- und Zitronenschalen, wird er auf Weihnachtsmärkten in dekorierten Keramikbechern getrunken, die zu echten Sammlerstücken geworden sind.

Der Weihnachtsbaum - eine im Elsass entstandene Tradition

Man kann nicht über den elsässischen Advent sprechen, ohne den Weihnachtsbaum zu erwähnen, dessen Urheberschaft das Elsass beansprucht. Die erste dokumentierte Erwähnung eines innen dekorierten Weihnachtsbaums stammt aus dem Jahr 1605 in Straßburg. In elsässischen Familien wird die Tanne traditionell am 24. Dezember aufgestellt. Die Entdeckung des beleuchteten Baumes, geschmückt mit Dekorationen und umgeben von Geschenken, ist einer der zauberhaftesten Momente der elsässischen Kindheit. Traditionelle Dekorationen - mundgeblasene Glaskugeln, goldene Girlanden, Strohengel, Bethlehemssterne - erzählen ebenfalls eine lange Geschichte regionalen Kunsthandwerks.

 

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